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Neon

Ich bin vor kurzem auf den Geschmack gekommen und nun ein großer Neon-Fan. Neben der Printausgabe verfolge ich auch neuerschienene Artikel auf der Homepage und möchte euch einen wirklich krassen Text zeigen.

Während du mit ihm schläfst,

liege ich auf einer Wiese und starre in den dunklen Himmel. Sterne? Fehlanzeige.

Unsere Eltern sind von jeher gegen unsere Beziehung. Ich bin deinen Eltern nicht katholisch genug, du bist meinen Eltern zu gewöhnlich. Das Letzte, was ich mir wünsche, ist ihnen die Befriedigung zu geben, sie hätten es von Anfang an gewusst. Ich habe es allenfalls von Anfang an geahnt, dass du mit Frank schläfst. So wie jetzt, in diesem Moment, während ich auf der nassen Wiese liege und in die Dunkelheit starre.

Ich habe nie etwas dagegen gehabt, dass du alle drei Monate deine Eltern für ein Wochenende besuchst. Meistens kann ich an diesen Wochenenden eine ganze Menge Büroarbeit erledigen, sodass es mir sogar ganz recht ist, ein freies Wochenende zu haben. Natürlich finde ich es etwas seltsam, dass deine Eltern kein Bett für dich haben. Aber deine Eltern haben nur zwei Zimmer, nicht sonderlich groß. Vielleicht haben sie wirklich kein Bett. Anfangs war ich sogar noch sorglos, dass du immer bei Frank übernachtet hast. Er wohnt schließlich im gleichen Haus. Es bietet sich förmlich an.

Was bleibt, ist der vage Verdacht, deine Eltern hätten absichtlich keinen Platz für dich in ihrer Wohnung, damit du bei Frank übernachten musst. Frank ist ihnen natürlich tausendmal lieber und vor allem, richtig katholisch. Sie nehmen es bewusst in Kauf, dass zwischen euch was läuft. Besonders katholisch finde ich das nicht, ehrlich gesagt – von keinem von euch.

Ich habe dir nie von meinem Verdacht erzählt. Ich bin mir deiner Liebe eben sehr, sehr sicher. Du gibst mir nie einen Grund zum Zweifeln und warum soll ich das alles aufs Spiel setzen, nur weil du alle drei Monate „deinen Spaß“ hast, dazu mit deinem Ex-Freund? Zählt das Schlafen mit dem Ex-Freund überhaupt zu Kategorie „Fremdgehen“? Schlafende Hunde weckt man nicht. Darum sage ich nichts, denke mir, ich kann damit leben. Ich liebe dich zu sehr.

Nie werde ich dein strahlendes Gesicht vergessen, als du mir vor vier Wochen erzähltest, du seist schwanger: „Wir bekommen ein Baby!“, fielst du mir um den Hals und beglücktest mich mit tausend Küssen. Hattest du jemals mehr Liebe in dir, als in diesem Moment? Mir wird ganz warm, wenn ich an deinen Ausdruck denke. Ich war etwas überrascht, weil wir noch nicht über Familienplanung gesprochen hatten und du anscheinend davon ausgingst, ich wäre genauso von Nachwuchs begeistert. Wann ist eigentlich der richtige Moment, um über Familienplanung zu reden?

Den ersten Verdacht hegte ich, als du mich einmal über meine Meinung zum Fremdgehen befragtest. Ich wunderte mich über deine Frage, denn du wusstest, dass ich Fremdgehen nie im Leben tolerieren würde. Dann wolltest du alles über meine Vergangenheit wissen. Du hattest zu viel über mich gehört und ich erklärte dir, dass die Vergangenheit passé sei und ich, seit ich dich kenne, nie einen Gedanken an eine andere Frau verschwendet habe.

Seit vier Wochen erzählst du von nichts anderem, als dass du die Wände gelb streichen möchtest, damit immer die Sonne ins Kinderzimmer scheint und Sterne willst du an die Decke kleben. Eine Spieluhr, die La-le-lu spielt, braucht das Baby und es soll Gesangsunterricht bekommen und am besten zweisprachig aufwachsen und später mal Medizin oder Jura studieren. Und trotzdem fährst du wieder zu deinen Eltern. Du musst es ihnen persönlich sagen und außerdem ist es kein Problem, Frank ist auch da.

So liege ich auf der nassen, kalten Wiese und lasse es auf mich hinabregnen. Mir ist schweinekalt, ich werde mir bestimmt den Tod holen. Und während du mit ihm schläfst, denke ich an dich. Ob du wirklich, trotz Schwangerschaft, mit ihm schläfst? Bestimmt. Er ist dir so vertraut und es ist alles so unkompliziert mit ihm, hast du mal gesagt.

Und dann frage ich mich wieder, wann der richtige Zeitpunkt gewesen wäre, über Familienplanung zu sprechen. Jedenfalls wäre das der richtige Zeitpunkt gewesen, dir zu sagen, dass ich seit meinem Unfall keine Kinder mehr bekommen kann.

 

20.7.09 18:28
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


söni / Website (20.7.09 18:36)
wie bitter. wirklich ganz bitter. gar nicht zu fassen, dass man das trotzdem durchzieht, obwohl man weiss, was eigentlich passiert..

und neon ist toll.ich sammle sie.

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